Domschatzkammer

Kirchenschatz und Welterbe

Detektivarbeit im Depot – Projektstelle der Ernst von Siemens Stiftung

Aachen. In der Dauerausstellung der Domschatzkammer dominieren die großen Namen: der antike Proserpina-Sarkophag, das byzantinische Anastasiusreliquiar, die karolingische Karlstür, das ottonische Lotharkreuz oder die spätmittelalterliche Karlsbüste. Angesichts dieser Highlights gerät leicht in Vergessenheit, dass ein großer Teil der Sammlung aus jüngeren, neuzeitlichen Werken besteht – viele davon einst oder noch immer im liturgischen Gebrauch. Besonders umfangreich ist der Bestand historistischer Goldschmiedearbeiten aus der Zeit zwischen etwa 1850 und 1910, als Künstler vergangene Stilformen wie Gotik, Renaissance oder Barock mit modernen Techniken neu interpretierten.

Nachmittelalterliche „Stiefkinder“ systematisch erschließen

Diese Epoche ist ein Forschungsschwerpunkt von Dr. Birgitta Falk, der Leiterin der Domschatzkammer. Ihr Ziel ist es, die nachmittelalterlichen „Stiefkinder“ systematisch zu erschließen, wissenschaftlich aufzuarbeiten und stärker sichtbar zu machen. Ein Beispiel dafür war die Ausstellung „Mittelalter 2.0. – Goldschmiedearbeiten des Historismus“ während der Pandemie – mit dem Corona-Leopardus-Schrein als unerwartetem Medienstar.

Dank der Ernst von Siemens Stiftung kann die Arbeit weiter vertieft werden. Für ein Jahr teilen sich die Kunsthistorikerinnen Friederike Kalb und Rosanne Bartels eine von der Stiftung finanzierte Projektstelle. Zu ihren Aufgaben gehören die systematische Erfassung von ca. 400 noch nicht inventarisierten Werken im rund 5000 Objekte umfassenden Bestand der Domschatzkammer. Zunächst steht dabei die nachmittelalterliche Schatzkunst im Fokus.

Intensiver Geschichtszugang über das Objekt und seine Form

„Viele Goldschmiedewerke sind bereits verzeichnet, doch es gibt Lücken. Oft fehlen genaue Angaben zur Herkunft, zu Restaurierungen oder Umarbeitungen, zur Aufbewahrung oder zu früheren Forschungsbeiträgen. All das tragen wir jetzt zusammen, inklusive Fotodokumentation“, beschreibt Rosanne Bartels ihren Auftrag.
Dafür arbeiten sich die beiden 24-Jährigen Schrank für Schrank und Schublade für Schublade durch das unterirdische Depot. „Wir stecken knietief in der Arbeit und sehen seit Tagen keine Sonne“, sagt Rosanne lachend. Die beiden jungen Frauen geraten ins Schwärmen, wenn sie darüber nachdenken, welche Schatzstücke durch ihre Hände wandern. „Die Objekte in diesem Museum blicken teilweise auf 1000 Jahre oder mehr zurück, das ermöglicht einen intensiven Geschichtszugang über den Gegenstand und seine Form“, sagt Friederike Kalb. Während das Studium vor allem die großen Linien der Kunstgeschichte vermittle, zeige die Arbeit am Einzelstück, welche Bedeutung diese Dinge einst für Menschen hatten – bis hin zu persönlichen Fragen von Identität und Glauben.

Vorschlagsliste für die Entsammlung

Bei der Arbeit stoßen die beiden Frauen auch auf Gegenstände, die eher das Label „dekorative Kuriositäten“ verdienen als „Kunstschatz“. Solche Fundstücke wandern auf eine Vorschlagsliste für die sogenannte Entsammlung. Wird ihr kunsthistorischer Wert als gering eingeschätzt und haben sie keinen Bezug zur Geschichte des Doms, können sie aus dem Bestand ausscheiden. Einige dieser manchmal rätselhaften Dinge, deren Herkunft oft im Dunkeln liegt, werden ab dem 7. Februar in der Ausstellung „Nicht gesucht, aber gefunden – Rätselhaftes in der Domschatzkammer“ gezeigt. Friederike Kalb und Rosanne Bartels waren an der Auswahl maßgeblich beteiligt.

Weitere Aufgaben des Duos werden die Bearbeitung der Schatzinventare und Pilgerblätter sein sowie die Zusammenstellung von Materialien zum Heinrichsambo im Dom, einem der größten und faszinierendsten Kunstwerke des 11. Jahrhunderts.

Bestehende Forschungslücken schließen

Dr. Birgitta Falk ist dankbar für die Unterstützung der Stiftung. „Mit unserem kleinen Team würde diese Arbeit Jahre dauern. Durch die Projektstelle können wir die Inventarisierung unseres Bestands nun innerhalb eines Jahres abschließen.“

„Museale Sammlungen leben nicht allein von ihren berühmten Einzelstücken, sondern von der Gesamtheit ihrer Objekte und deren Geschichten. Mit der Förderung des Projekts und der Bestandserschließung der nachmittelalterlichen Werke der Domschatzkammer trägt die Ernst von Siemens Kunststiftung dazu bei, bestehende Forschungslücken zu schließen und so neue Perspektiven auf den Domschatz in seiner Gesamtheit zu eröffnen“, freut sich Dr. Martin Hoernes, Generalsekretär der Kunststiftung.

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