Domschatzkammer

Kirchenschatz und Welterbe

NEUE AUSSTELLUNG: Gestickte Gebete – Kelchdeckel aus dem Textilschatz

Zur Textilsammlung der Aachener Domschatzkammer gehören 177 unscheinbar wirkende Deckel, die in einer neuen Sonderausstellung zum ersten Mal ins Licht gerückt werden. Und das ganz zu recht, denn zu den sogenannten pallae gibt es eine Menge zu erzählen.
Zunächst einmal: Was genau ist eine palla? „Ein quadratisches Stück Stoff, meist Leinen, verstärkt durch ein eingenähtes Stück Karton. Eine palla dient während der Eucharistie zur Abdeckung des Kelchs und schützt den Messwein vor Verunreinigungen“, erklärt Textilkonservatorin Monica Paredis-Vroon.
Und was ist an diesen kleinen Deckeln so besonders? „Sie sind kleine Kunstwerke und oft reich bestickt“, schwärmt die Expertin und holt zu einem Exkurs aus. Lange Zeit habe man sogenannte Korporalien, das heißt Ecken größerer Leinentücher, als Abdeckung für die Kelche verwendet. Erst im 12. Jahrhundert sei man dazu übergegangen, ein zweites und kleineres Leinentuch zu verwenden, bis im 15. Jahrhundert kleine kartonverstärkte pallae aufgekommen seien, die an der Rückseite passend zur seidenen Messkleidung geschmückt waren.

Kartonstück im Inneren kann zum Waschen entfernt werden

Die meisten pallae sind als kleine Leinentaschen geschneidert, damit das Kartonstück im Inneren zum Waschen entfernt werden kann. Nach dem Waschen wird der Karton wieder hineingeschoben und die palla neu vernäht. Diese „Erfindung“ scheint auf die Schwestern vom armen Kinde Jesus aus Aachen im 19. Jahrhundert zurückzugehen.
Auf vielen pallae finden sich reiche Stickereien, insbesondere auf den älteren Stücken der genannten Schwestern. „Man kann sich vorstellen, wie viel Arbeit in eine einzige palla geflossen ist“, sagt Paredis-Vroon. „Eine palla kann für eine Stickerin wie ein kleines Gebet sein, wenn sie abends auf ihrem Zimmer oder in der Gemeinschaft an den Verzierungen arbeitet.“ Allerdings räumt sie ein, dass das Anfertigen eines solchen Deckels inzwischen weitgehend aus der Mode gekommen sei.

Zwei pallae gehören zum „Josephinischen Ornat“

Die meisten der 177 pallae in Dombesitz sind weiß. Es gibt jedoch auch farbige Exemplare, die oftmals passend zum Messgewand hergestellt wurden. Zwei rote pallae sind ganz besondere Stücke. Sie stammen aus der Zeit zwischen 1691 und 1694 und gehören zum „Josephinischen Ornat“: Im Jahr 1694 schenkte Kaiser Joseph I. den Ornat als Erinnerung an seine Königskrönung. Er bestand aus Gewändern, Tüchern für den Altar, Kleidern für das Gnadenbild, Teppichen und vielem mehr.

Monica Paredis-Vroon ist gespannt darauf, ob auch die Besucherinnen und Besucher ihre Begeisterung für die „gestickten Gebete“ mit ihren unterschiedlichen Motiven teilen werden. Zu besichtigen ist die Ausstellung vom 22. Oktober bis voraussichtlich zum 5. März 2023.

Aktuelle Öffnungszeiten der Domschatzkammer:
Di-So: 10 bis 18 Uhr, montags und an Allerheiligen (1. November) geschlossen

  • Aachener Domschatz
  • Highlights
  • Unser Team
  • Kontakt
  • Nachrichtenarchiv
  • Öffnungszeiten:

    Die aktuell geltenden Öffnungszeiten finden Sie hier.

    Eintrittskarten erhalten Sie in der Dominformation.

    Die Domschatzkammer
    ist barrierefrei.

     

    Folgen Sie uns auf Instagram.