Stabwechsel in der Textilsammlung: Susanne Michels folgt auf Monica Paredis-Vroon
Es ist der erste Monat in ihrer neuen Funktion als Textilrestauratorin der Aachener Domschatzkammer – und die Freude darüber steht Susanne Michels ins Gesicht geschrieben. Als Nachfolgerin von Monica Paredis-Vroon hat sie die konservatorische Betreuung der bedeutenden Textilsammlung übernommen: rund 2400 Objekte, deren Vielfalt und Geschichte es weiter zu erschließen gilt.
Der Einstieg wird ihr erleichtert durch ein persönliches „Onboarding“ ihrer Vorgängerin. Nach 36 Jahren in der Textilwerkstatt kennt Monica Paredis-Vroon jedes Stück bis ins Detail und teilt ihr Wissen großzügig. Susanne Michels hört aufmerksam zu, fragt nach, ordnet ein – und staunt. „Ich hatte schon ganz viele Wow-Momente“, berichtet sie. Einer davon: ein gelbes Kleid aus dem 19. Jahrhundert aus der Garderobe des Gnadenbilds. Auf Laien wirkt dieses Kleid eher unscheinbar, während die Expertin bei seinem Anblick glänzende Augen bekommt. „Die hier verwendete Technik nennt sich Sprang. Eine sehr alte und seltene Technik, die zwar vereinzelt bis ins 19. Jahrhundert angewandt wurde, aber bei liturgischen Gewändern ganz unerwartet ist. Ich liebe es, wenn ich auf ausgefallene Materialien und exotische Techniken stoße!“
Exotenstudium und heimische Nähwerkstatt
Beruf und Freizeit sind bei Susanne Michels eng verwoben. Zu Hause besitzt sie ein eigenes Nähzimmer, probiert Handarbeitstechniken aus und erweitert stetig ihr Repertoire. Sprangen gehörte bislang noch nicht dazu, aber das soll bald nachgeholt werden. Textilaffin sei sie immer schon gewesen, erzählt die gebürtige Baden-Württembergerin, die nach etlichen beruflichen Stationen in Deutschland und der Schweiz in Jülich sesshaft wurde – der Liebe wegen. Stricken, nähen und häkeln gehörten bereits in jungen Jahren zu ihren Hobbys.
Nach einem Praktikum fiel schließlich die Entscheidung, ein Studium der „Restaurierung und Konservierung von Textilien und archäologischen Fasern“ in Köln aufzunehmen. Ein Exotenstudiengang, in dem pro Semester nur etwa eine Handvoll Studierende aufgenommen werden.
Reizvoller Kontrast – Beruflich zweigleisig unterwegs
Heute sind Spezialistinnen wie sie gefragt. „Man kann viel herumkommen, wenn man das möchte“, lächelt Susanne Michels und verweist auf Stationen bei den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg und eine außergewöhnliche Projektarbeit in Halle an der Saale, wo sie an der Untersuchung der blockgeborgenen Bestattung eines im 12. Jahrhundert verstorbenen Bischofs mitwirkte, der in einem vollständigen Ornat beigesetzt war.
Für die Domschatzkammer wird Susanne Michels an drei Tagen pro Woche tätig sein. Die beiden anderen Tage ist sie seit 2021 beim LVR-Industriemuseum in Oberhausen beschäftigt. Für sie ein reizvoller Kontrast: industrielle Textilproduktion und Alltagskleidung dort, kostbare, teils jahrhundertealte Paramente mit hoher symbolischer Bedeutung hier.
Susanne Michels freut sich auf das, was kommt – und auf die Überraschungen, die in der Sammlung noch auf sie warten. Einige davon möchte sie in Zukunft gerne mit der Öffentlichkeit teilen.

Fotos: Andreas Steindl