Upcycling – Textile Nachhaltigkeit im Aachener Dom bis 16. Januar
Kleidung tauschen, Second-Hand kaufen, Flohmärkte durchstöbern: Die Wiederverwendung von Textilien liegt voll im Trend. Doch was heute als nachhaltiger Lebensstil gilt, war über Jahrhunderte hinweg gelebte Praxis. Das zeigt die neue Sonderausstellung „Upcycling – Textile Nachhaltigkeit im Aachener Dom“. Sie ist zugleich die Abschiedsausstellung der langjährigen Textilkonservatorin Monica Paredis-Vroon, die seit 35 Jahren die rund 2.300 historischen Textilien der Domschatzkammer betreut.

Während Kleidung heute massenhaft und industriell hergestellt wird, war die Herstellung früher um ein Vielfaches aufwendiger. „Vor der Industriellen Revolution waren für die Herstellung eines einfachen Wollstoffs bis zu 40 Arbeitsschritte nötig“, erklärt Paredis-Vroon. „Bei gemusterten Seidenstoffen war der Aufwand noch erheblich größer. Die Stoffe mussten oft über weite Handelswege nach Mitteleuropa gebracht werden.“ Kein Wunder also, dass Kleidung und liturgische Gewänder damals so wertvoll waren, dass sie über Generationen hinweg umgearbeitet und weiterverwendet wurden.
Die Ausstellung dokumentiert anhand ausgewählter Beispiele, wie kreativ und kunstvoll Textilien im Laufe der Jahrhunderte ein „zweites Leben“ erhielten. So wurden etwa aus einem barocken Damenkleid zwei prachtvolle Chormäntel geschaffen. Spenden aus edlen Seidenbrokaten fanden in Priestergewändern oder Kirchenausstattungen eine neue Bestimmung. Sogar Reste frühmittelalterlicher, byzantinischer Seidengewebe wurden genutzt, um Reliquien zu verhüllen und zu schmücken.

Mit dieser Schau lädt die Domschatzkammer zu einer modischen Reise in die Vergangenheit ein. Sie macht sichtbar, wie viel handwerkliche Raffinesse und Wertschätzung in historischem „Upcycling“ steckt – und wie aktuell das Thema Nachhaltigkeit auch in kirchlicher Tradition ist.
Die Ausstellung „Upcycling – Textile Nachhaltigkeit im Aachener Dom“ ist vom 16. September 2025 bis zum 16. Januar 2026 in der Domschatzkammer zu sehen.
