Domschatzkammer

Kirchenschatz und Welterbe

Die Heilige Corona ruht in der Aachener Domschatzkammer

In diesen Tagen gerät zunehmend eine Heilige in den Fokus, die bislang eher unbekannt war: Corona. Viele gesicherte Informationen über sie gibt es nicht. Laut Heiligenlexikon wurde sie vermutlich im Jahr 161 oder 287 geboren. In jungen Jahren soll sie den Soldaten Victor geheiratet habe, der im Zuge der Christenverfolgung hingerichtet wurde. Auch Corona selbst starb im Alter von 16 Jahren den Märtyrertod.

Gilt Corona tatsächlich als Schutzpatronin gegen Seuchen?

Namenspatronin für das Virus ist sie nicht. Vielmehr lässt sich die Namensgleichheit dadurch erklären, dass „Corona“ aus dem Lateinischen kommt und so viel wie „Krone“, „Kranz“ oder „Heiligenschein“ bedeutet. Coronaviren wiederum sehen unter dem Mikroskop kronenartig aus. Eine Parallele gibt es dennoch: Die Heilige Corona wird vereinzelt auch als Schutzpatronin gegen Seuchen aufgeführt.

Doch wie sicher ist diese Zuschreibung? Dr. Birgitta Falk, die Leiterin der Domschatzkammer, klärt auf: „Die Sache mit der Seuche hängt wohl mit ihrer Verehrung in dem kleinen Ort St. Corona bei Kirchberg am Wechsel zusammen. Hier wurde um Standhaftigkeit im Glauben gebeten und gegen Unwetter, Missernte und Viehseuchen angerufen. Dies wurde später in einigen Heiligenlexika auf alle Verehrungsorte ausgeweitet.“

Gedenktafel nahe des Marienaltars

Vor diesem Hintergrund hat die Domschatzkammer früher als geplant einen Schrein aus ihrem Depot geholt, der für einiges Aufsehen sorgen dürfte. Eigentlich sollte dieses fast 100 Kilogramm schwere Prunkstück nach 25-jährigem Dornröschenschlaf erst im Zuge einer für den Sommer geplanten Ausstellung über die Aachener Goldschmiedekunst des Historismus gezeigt werden. Dr. Birgitta Falk lässt ihn aber jetzt schon „entstauben“ und konservieren. Der Grund liegt im Inhalt des Schreins: Er enthält die Reliquien der Heiligen Corona.

Und das kam – vereinfacht gesagt – so: Im Jahr 997 brachte der fromme und junge Kaiser Otto III., ein großer Verehrer Karls des Großen, die aus den römischen Katakomben entnommenen Überreste zusammen mit denen des Heiligen Leopardus nach Aachen und ließ sie im Münster beisetzen. Seither gelten beide als Mitpatrone des Aachener Marienstifts. Die Grabplatten sind bis heute im Dom zu sehen; die Gedenktafel der Heiligen Corona befindet sich in nordöstlicher Ausrichtung nahe des Marienaltars im Sechzehneck unter der Besucherbestuhlung.

Die an die Heilige Corona erinnernde Grabplatte im Dom.

Im Zuge von Ausgrabungen wurden die Bleisärge mit den Gebeinen von Leopardus und Corona 1910 aus der Gruft erhoben, um auf Wunsch des damaligen Stiftspropstes Dr. Alfons Bellesheim in einem eigens geschaffenen Schrein bestattet zu werden.
„Der Corona-Leopardus-Schrein wurde 1911/12 in der Werkstatt des bekannten und bedeutenden Aachener Goldschmieds Bernhard Witte angefertigt“, berichtet Dr. Birgitta Falk. „Fast ein ganzes Jahr haben rund 45 Mitarbeiter an diesem sehr detailreichen Stück gearbeitet. Die Werkstatt wäre angesichts des Aufwands und der Kosten fast pleite gegangen. Zeitlich bildet der Schrein das Abschlussobjekt in unserer Sammlung des Historismus.“

Form einer byzantinischen Kirche

Das 93 cm hohe Reliquiar hat die Gestalt einer byzantinischen Kirche mit kreuzförmiger Grundform, deren Abschluss eine zwölfteilige Kuppel mit reicher Verzierung bildet. An den Stirnseiten findet man Portalnischen mit Säulen auf Elfenbeinsockeln und rundbogigem Abschluss. Diese Bogenstellungen dienen als Rahmen für vergoldete Bildreliefs aus Bronze, die unter anderem das Martyrium der Heiligen Corona, den Reliquientransport durch Otto III. und die Ausgrabung der Sarkophage unter Dr. Alfons Bellesheim darstellen.

Zahlreiche lokalkoloristische Details spiegeln einen Bezug zu Aachen wider. „In den Giebelfeldern oberhalb der Nischenbögen sehen wir die Wappen des Stiftskapitels und des Stiftspropstes Bellesheim. In die zwölf Nischen der Kuppel wurden filigran ausgearbeitete Figuren von Herrschern und Heiligen mit Bezug zur Stadt eingebaut. Bei genauem Hinsehen entdeckt man auch miniaturhafte Figürchen des Aachener Wolfes und des Pinienzapfens“, berichtet Luke Jonathan Koeppe, der in Köln Restaurierungs- und Konservierungswissenschaften studiert, seit drei Jahren für die Domschatzkammer arbeitet und unter Leitung von Silberschmiedemeister Lothar Schmitt den Schrein derzeit unter strenger Berücksichtigung konservatorischer Vorgaben reinigt. Berührungsängste hat er dabei nicht. „Man muss natürlich respektvoll und behutsam mit historischen Objekten umgehen, aber man sollte nicht zu viel darüber nachdenken, was man da gerade in der Hand hält.“

In den vergangenen 25 Jahren hat der Corona-Leopardus-Schrein im Magazin etwas Patina angesetzt. So lange war er in keiner Ausstellung mehr zu sehen, weil es in den letzten Jahrzehnten wenig Interesse am Historismus gab. Das dürfte sich nun geändert haben. „Wir werden den Schrein auf jeden Fall in unserer kommenden Sonderausstellung ‚Mittelalter 2.0. – Goldschmiedearbeiten des Historismus‘ präsentieren“ verspricht Dr. Birgitta Falk. „Eine dauerhafte Präsentation ist ein Problem, da das Kunstwerk so groß ist, dass es in keine unserer Vitrinen passt.“

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