Domschatzkammer

Kirchenschatz und Welterbe

Corona-Hilfsprogramm für Freiberufler in öffentlichen Museen

So schnell werden Förderanträge sonst selten bewilligt: Diplom-Restauratorin Stefanie Korr, die seit mehreren Jahren freiberuflich Projekte der Domschatzkammer betreut, hat sich um eine „Corona-Soforthilfe“ der Ernst-von-Siemens-Kunststiftung beworben. Mit diesem Programm werden aktuell Freiberufler in öffentlichen Museen und Sammlungen unterstützt.

„In den letzten vier Wochen sind mir mehrere Aufträge von anderen Museen und Privatkunden weggebrochen, da Ausstellungen abgesagt oder auf unbestimmte Zeit verschoben wurden“, berichtet Korr, die sich daraufhin nach neuen Möglichkeiten umsah und auf das Angebot der Berliner Stiftung stieß. Auch ein mögliches Projekt zur Bearbeitung war schnell gefunden: Zwei von insgesamt zwölf Aachener Engeltafeln, die seit 15 Jahren in einem unfertigen Zustand im Depot der Schatzkammer lagern und mittelfristig für eine Präsentation aufbereitet werden sollten. Dank des Fördergeldes von rund 22.000 Euro, das nur einen Tag nach der Antragstellung bewilligt wurde, kann Stefanie Korr früher als geplant mit der Arbeit beginnen.

Mehr als 50 Anträge bewilligt und knapp 500.000 Euro ausgeschüttet

„Mit der kurzfristig aufgelegten Förderlinie für Freiberufler im Museum wollen wir auf die Folgen der Coronakrise reagieren und dabei helfen, qualifizierte Restauratoren am Museum zu halten“, erklärt Dr. Martin Hoernes, Generalsekretär der Ernst-von-Siemens-Kunststiftung. „Bislang haben wir mehr als 50 Anträge bewilligt, rund ein halbe Million an Fördermitteln ausgeschüttet und damit circa 60 Freiberufler unterstützt.“

Nicht nur Stefanie Korr, sondern auch Dr. Birgitta Falk, die Leiterin der Domschatzkammer, ist dankbar für diese unbürokratische Form der Unterstützung. „Das hilft uns wirklich sehr. Durch die wochenlange Schließung brechen uns die Einnahmen weg, viele Ausgaben laufen aber trotzdem weiter. Da wir nur ein sehr kleines Team sind, benötigen wir die Hilfe freischaffender Restauratoren und freuen uns daher sehr, dass die Ernst-von-Siemens-Kunststiftung ein Hilfsprogramm für Freiberufler in diesem für uns so wichtigen Nischenbereich aufgelegt hat!“

Stefanie Korr will sofort mit der Arbeit an den beiden Engeltafeln beginnen. Sie gehören mit zu den ältesten Gemälden des Aachener Doms. Zehn der zwölf Holztafeln entstanden um 1420, zwei sind deutlich jüngeren Datums. Sie alle zeigen Darstellungen von musizierenden Engeln und Heiligendarstellungen. Jeweils zwei der Darstellungen sind aufeinander bezogen und bilden Paare. In der gotischen Chorhalle dienten sie vermutlich als Türen für Schränke und Nischen, in denen Reliquien und Schatzstücke aufbewahrt wurden. Auf dem ausgewählten Türpaar überreicht ein Engel Karl dem Großen ein goldenes Kästchen, das vermutlich den ursprünglich von Karl in Aachen niedergelegten Reliquienschatz symbolisieren soll. „Das Motiv kann als bildliches Symbol für die Entstehung des hiesigen Kirchenschatzes verstanden werden: Karl erhält aus himmlischer Hand die ersten Reliquien für die Marienkirche“, erklärt Dr. Birgitta Falk die Bedeutung der Tafeln. Nach der Restaurierung sollen sie im Eingangsraum des Museums zu sehen sein.

Nicht möglichst perfekt, sondern möglichst original

„Die Engeltafeln wurden mehrfach übermalt. Die letzte Übermalung war die radikalste, da sie in einigen Teilen die Aussage der Bilder verändert hat“, erläutert Stefanie Korr. Seitdem befinden sich auf dem leuchtend roten Hintergrund goldene Sterne statt Lilien oder Christusmonogramme. Einige Gewänder, die zuvor gemustert waren, erscheinen heute monochrom. „Viele Betrachter halten das übermalte Bild für das restaurierte, da die Farben deutlich kräftiger sind. Dadurch wirkt es neuer“, schmunzelt die Restauratorin. „Tatsächlich ist es umgekehrt: Es soll nicht perfekt aussehen, sondern dem Original möglichst nahekommen.“ Bereits 2014 hat Stefanie Korr eine der beiden Tafeln freigelegt. Weitere Anschlussarbeiten erfolgten seinerzeit aufgrund personeller Veränderungen in der Domschatzkammer nicht. Jetzt, nach mehrjähriger Pause, kann sie ihre Arbeit fortsetzen. „Museen und Kirchen bleiben bis auf weiteres geschlossen. Privatkunden vermeiden den persönlichen Kontakt. Der Restaurierungsauftrag entspannt für mich die Situation deutlich!“

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