Domschatzkammer

Kirchenschatz und Welterbe

Königliche Spuren im Aachener Dom: Karl V. und seine spektakuläre Krönung vor 500 Jahren

In der fast 600-jährigen Geschichte der Königskrönungen im Aachener Dom bildet die Krönung Karls V. am 23. Oktober 1520 sowohl einen Höhe-, als auch einen Schlusspunkt. Einen Höhepunkt deshalb, weil diese Zeremonie den Überlieferungen zufolge besonders prächtig und kostspielig war. Der junge Habsburger, der bereits seit 1516 spanischer König war, hatte die Wahl zum römisch-deutschen König ein Jahr zuvor durch Bestechung für sich entschieden. Nun sollte er erstmals den Boden seines neuen deutschen Reiches betreten. Entsprechend groß war die politische Bedeutung seines Besuchs, der dank zahlreicher zeitgenössischer Berichte gut dokumentiert ist. Gleichsam bildet dieser geschichtsträchtige Tag einen Schlusspunkt, denn die Krönung Karls V. war die vorletzte im Aachener Dom. Mit der Krönung seines Bruders Ferdinand I. im Jahr 1531 endete die Tradition. Neue Krönungsstadt wurde Frankfurt.

Karl V. nimmt ein Mittagessen in Aachen ein, aufgetragen wird ein Pfau
Holzstich aus unbek. ndl. Zs., rückseitig bedruckt, c. 1880

Es darf durchaus zu den kuriosen Wendungen der Geschichte gerechnet werden, dass das auf diesem Ereignis beruhende traditionelle Krönungsmahl des Aachener Rathausvereins ausgerechnet zum 500. Jahrestag wegen der Coronapandemie abgesagt werden musste. Denn auch 1520 standen die Krönungsfeierlichkeiten wegen eines Pestausbruchs in Aachen zunächst auf der Kippe. Nach einigem Hin und Her konnte sich Karl mit seinem Gefolge am 21. Oktober aber doch von Maastricht aus auf den Weg machen. Noch vor der Stadt wurde er von den Kurfürsten begrüßt. Nachzulesen ist all das unter anderem in einem Aufsatz von Dr. Friedrich Classen, erschienen 1914 in einer Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins (Band 36). Nahezu minutiös und unter Verweis auf zahlreiche Quellen werden auf mehr als 40 Seiten die Begebenheiten dieser Tage nacherzählt. Zum Beispiel die, dass die Aufstellung der Festparade mit mehreren Tausend Teilnehmern einige diplomatische Verwicklungen auslöste, so dass der Zug am Vorabend der Krönung erst nach Anbruch der Dunkelheit in Aachen Einzug halten konnte.

Mitkanonikus des Marienstifts

Auch die Aachener Geistlichkeit war dem König in einer Art Prozession entgegengezogen. Sie führte Reliquien mit sich, darunter die Karlsbüste mit Karls Schädeldecke, der der König mit einem Kuss seine Ehrerbietung zollte. Unter großem öffentlichem Interesse und strenger Einhaltung des üblichen Zeremoniells wurde der Krönungsakt am Morgen des 23. Oktober im Dom vollzogen. Nachdem Karl vor dem alten karolingischen Marienaltar kniend den Krönungseid geleistet und die äußeren Zeichen seiner Würde wie Zepter und Reichsapfel empfangen hatte, stieg er zur Empore hinauf und nahm auf dem Königsstuhl Karls des Großen Platz.

„Durch diesen Akt erhielt die Krönung gleichsam die Beglaubigung, dass sie rechtmäßig erfolgt sei. Hier nahm der König die Glückwünsche der Kurfürsten entgegen, und hier verrichtete er auch seine erste Amtshandlung, in dem er unter den machtvollen Klängen des Tedeums den Ritterschlag erteilte“, berichtet Classen in seinem Aufsatz. Insgesamt soll der König bei dieser Gelegenheit fast 2000 Männer zu Rittern geschlagen haben. Nach alter Sitte bat ihn das Stiftskapitel, sich als Mitkanonikus des Marienstifts aufnehmen zu lassen. Damit wurde die Marienkirche (heute: Dom) unter den persönlichen Schutz des Königs gestellt.

Das vermeintliche Krönungsgeschenk und die Cappa Leonis

Für die Aufnahme als Kanonikus musste Karl V. übrigens mal wieder in die Tasche greifen und Tücher, Teppiche, Krönungsmantel und -kleid sowie sechs Goldgulden und drei Fässer Wein abgeben. Als üblich galt zudem, dass jeder König dem Marienstift ein Krönungsgeschenk machte. Als solches gilt im Fall Karls V. eine Monstranz der Domschatzkammer, die in der kommenden Ausstellung „Der gekaufte Kaiser“ im Centre Charlemagne zu sehen sein wird. Sie wurde um 1520 vom dem berühmten Aachener Goldschmied Hans von Reutlingen angefertigt und gilt als eine der schönsten Monstranzen der Spätgotik. Dass die kostbare Goldschmiedearbeit allerdings tatsächlich ein Auftragswerk Karls V. war, ist nicht bewiesen. Wenig Zweifel gibt es hingegen an der These, dass Karl V. bei seiner Krönung die sogenannte Cappa Leonis der Domschatzkammer trug, die ebenfalls im Rahmen der Ausstellung gezeigt wird. Der Chormantel wurde vermutlich bereits seit dem 14. Jahrhundert als Krönungsmantel genutzt. Die übrigen „Abgaben“ sind nicht mehr erhalten. Lediglich der Karlsthron kann noch ganz konkret mit diesem bis heute unvergessenen Tag in Verbindung gebracht werden.

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